Das Wolkenzimmer by Irma Krauß

By Irma Krauß

Ein bewegender Jugendroman zum Thema Judenverfolgung, Überleben im Versteck – und über den unschätzbaren Wert des Lebens.

Brennenden Liebeskummer im Herzen stürzt Veronika einen Turm hinauf, um in den Tod zu springen. Doch stattdessen findet sie auf dem Turm das Leben - und einen Menschen und seine Geschichte. Im »Wolkenzimmer« stört Veronika den alten Türmer und sein Geheimnis auf. Stück für Stück erfährt sie von dem jüdischen Jungen in der NS-Zeit, der er einmal conflict, und von seinem verzweifelten Versuch, im Versteck zu überleben …

Irma Krauß ist ein beeindruckender Brückenschlag gelungen: Hier das Mädchen von heute, das sein Leben wegwerfen will – dort der Junge von damals, der sein Leben gerade noch retten konnte. Und über allem blitzt es durch: Das Leben und wie unendlich kostbar es ist.

Berührend, atmosphärisch dicht, meisterhaft geschrieben.

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Wenn er es wirklich will. Veronika ist viel zu heftig und lebendig hinaufgerannt und hat dann voller Erdenschwere an der Turmmauer geklebt. Welchen Kummer einer Schülerin sie auch immer abschütteln wollte, sich selbst wollte sie jedenfalls nicht loswerden. Der Türmer darf sie vergessen. Stufe um Stufe erklimmt er seinen Turm. Der Abend schaut zu den Fenstern herein, er streckt seine rosigen Lichtfinger aus und berührt die mächtigen Quadersteine und hier und dort das geheimnisvolle Zeichen eines Steinmetzgesellen.

Die Stufen sind uralt und ausgetreten. Unten ist die schwere Holztür, die Veronika dem letzten Japaner aus der Hand gerissen hat. Das kann noch nicht sehr lange her sein. Es dürfte sich seitdem nichts geändert haben. Mattis ist weg, er ist einfach fortgefahren, er hat auf der Straße gewendet, er hat Veronika stehen lassen. Vor ihr lag die Ebene mit der kreisrunden Stadt und dem Turm in der Mitte. Dorthin wollte sie - aber er nicht; nein, mit so einem plötzlichen Wunsch durfte sie Mattis nicht kommen.

Doch da hört sie Schritte auf der Stiege. Sie verstummt sofort. Es ist der Türmer. Veronika bleibt am Turm kleben, halb drinnen, halb draußen. Ein Augenzucken lang hat sie geblinzelt, jetzt sind ihre Lider zugepresst und die Lippen auch. Kein Ton kommt mehr aus ihrer Kehle. Nur das Zittern lässt sich so auf Kommando nicht abstellen. Der Türmer schiebt sich an ihr vorbei. Veronika rauscht das Blut in den Ohren, sie braucht eine Weile, bis sie überhaupt fähig ist zu horchen. Die Wange am Stein, die Augen geschlossen, konzentriert sie sich aufs Gehör.

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